Box with different media

2007

Auszug aus der Rede von Ruth Wöbkemeier in der katholischen Akademie in Freiburg am 3. September 2007

“Marina Bünings ästhetische Praxis geht mit diesen Bilderströmen unseres kollektiven Gedächtnisses um, nicht krittelnd, pathetisch, sondern lustvoll, und überführt es – könnte man sagen- kunstvoll an den Punkt, wo wir dieses uns verordnete kollektive Gedächtnis wieder in unsere subjektive Wahrnehmung hereinholen können. Und zwar über Märchen, Mythen, Gebräuche, Riten, Spiel-zeug, Schmuck, Sou- venirs – sou – das ist unten, das kommt(venir), das kommt ins Gedächtnis zurück. Immer leiten allerkleinste Spuren, die Marina Büning legt, zu den Spielwinkeln eines kulturellen Gedächtnisses. Es kommt beim Anblick der Objekte subjektiv und produktiv in Bewegung. Die Arbeiten reizen dazu, uns in jene Situation des Dazwischen-Seins zu begeben. Und dabei in diesem Dazwischen immer festgehalten zu werden, nicht zu entschweben. Dafür sind die Fixpunkte der Figürchen zu klein, zu direkt, ja banal, pop-ulär, jedenfalls zu präsent. Es bleiben immer solche Objekte, wie wir sie alle kennen, und die trotzdem oder gerade deswegen die Lust auslösen könnten, etwas wieder in die eigenen Finger zu nehmen, herumzudrehen, zu verschieben, sicher auch Kindheitserinnerungen oder irgendwie jüngst aufgetauchte Geschichten. Wir sehen Szenarien, Bühnen jedenfalls, die uns zum Lächeln bringen – oder zum Staunen, oder zum Rätseln.”